Leben und Wirken

Dr. Georg Graf von Arco       (30.08.1869 - 05.05.1940)

Georg Wilhelm Alexander von Arco wurde am 30. August 1869 in Großgorschütz (Kreis Ratibor/ Oberschlesien) als Sohn eines Rittergutsbesitzers und einer Bankierstochter geboren. Auf Grund seiner Herkunft hatte der junge Graf eine sorgenfreie Kindheit und Jugend. Schon vor dem Abitur 1889 am humanistischen Magdalenen- Gymnasium in Breslau zeigte sich seine Leidenschaft für alles Technische. Er galt zwar als mittelmäßiger Schüler, hatte aber auch seine Stärken, z.B. in solchen Fächern wie Geometrie und Physik. Trotzdem sollte er zunächst nach alter Familientradition eine mlitärische Laufbahn absolvieren, obwohl es Graf von Arco schwer fiel, in diesen Kategorien zu denken. Insofern erscheint der spätere Abbruch der Karriere beim Militär mehr als folgerichtig, noch beschleunigt durch den Selbstmord eines Freundes. Diese einschneidenen Erlebnisse dürften Graf von Arco ganz entscheidend in seiner späteren konsequent pazifistischen Haltung geprägt haben.

1890 begann Graf von Arco Studien der Mathematik, Physik, des Maschinenbaus und der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Berlin- Charlottenburg. Nach 2 Semestern brach er sein Studium jedoch ab und trat in das Heer ein. Er diente dann 3 Jahre als Leutnant im Garde-Schützen Bataillon Berlin. Doch die Tätigkeit als Berufsoffizier empfand er als wenig befriedigend; schließlich setzte sich seine alte Liebe zur Technik durch und er nahm das Studium in Berlin- Charlottenburg wieder auf (1893-96). Während dieser Zeit wurde er Assistent von Prof. Adolph Slaby, einem der Pioniere auf dem Gebiet des drahtlosen Funkverkehrs. Prof.Slaby hatte 1897 die 1.drahtlose Funkverbindung in Deutschland zwischen dem Turm der Sacrower Heilandskirche und der Matrosenstation am Potsdamer Jungfernsee aufgebaut.

 

Seit 1898 war Graf von Arco als Ingenieur bei der AEG tätig, in der späteren AEG- Slaby- Arco- Gruppe . Nach dem Zusammenschluss von AEG und Siemens und Halske wurde Dr. Georg Graf von Arco 1903 technischer Direktor bei der „Gesellschaft für drahtlose Telegraphiem.b.H.“, dem späteren Unternehmen „Telefunken“. Auf die Initiative von Graf von Arco geht 1906 die Errichtung einer Großfunkstelle in Nauen zurück. Durch seine Arbeit verhalf er der Firma „Telefunken“ und der Stadt Nauen zu Weltruhm, denn mit dem Aufbau der Großfunkstelle war Nauen zunehmend in allen Weltteilen als Sender Nauen bekannt. Dabei initiierte Graf von Arco wesentliche technische Neuerungen und rechte auch selbst eine Vielzahl von Patenten ein. Als Beispiel sei hier auf die Entwicklung vom Knallfunken über den Löschfunken bis zum Hochfrequenzmaschinensender,1912 in Nauen erstmals in Betrieb genommen, hingewiesen, durch den die Anlagen erheblich leistungsfähiger wurden. Mit ihm wurden die ungedämpften Schwingungen großer Wellenlänge in den transatlantischen Funkverkehr eingeführt. Für diese Erfindung verlieh ihm am 29.Februar1916 die Reichs- Universität Straßburg die Würde eines Dr. phil. h.c..

 

Natürlich muss bei aller technischen Begeisterung auch gesehen werden, dass die damaligen Entwicklungen auch militärisch genutzt werden sollten; dies war das wesentliche Motiv der Förderung der Forschungen durch Kaiser Wilhelm II. So wurden die Möglichkeiten der drahtlosen Funkverbindung fast schon folgerichtig im I. Weltkrieg in der Flotte und zur Aufrechterhaltung der Verbindungen zu den Kolonien genutzt. Wie so oft bei technischen Neuerungen ist neben der zivilen meist auch eine mliltärische Nutzung möglich, wie auch diese Nutzung manche technische Entwicklung erst möglich machte. Diese Erfahrung hatte Graf von Arco mit vielen seiner Zeitgenossen gemeinsam. Solcherart Einsichten führten frühzeitig zu seinem Engagement in liberalen Verbänden und Organisationen, gemeinsam mit solchen Geistesgrößen wie Physiker Albert Einstein, dem Astronomen Foerster oder dem Philosophen Eduard Bernstein. Schon seit 1915 gehörte Graf von Arco dem „Bund Neues Vaterland“ an, der sich für eine deutsch-französische Annäherung und eindeutig gegen deutsche Annexionsansprüche wandte. Sein späteres politisches Wirken beinhaltete ein klares Bekenntnis zur Weimarer Republik. Kennzeichnend für seine humanistische und kosmopolitische Einstellung ist schon 1926 sein Artikel „Die Technik mordet den Krieg“, in dem er seine Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass die Fortschritte der Technik, auch im von ihm mitgeschaffenen Nachrichtenwesen, und die Vernunft der Menschheit künftige Kriege ausschließen würden.

Im Jahre 1931 legte Dr. Georg Graf von Arco überraschend all seine Funktionen nieder und zog sich völlig aus dem beruflichen und gesellschaftlichen Leben zurück. Über die Motive dafür kann nur spekuliert werden, verlässliche Informationen darüber gibt es nicht; noch dazu Graf von Arco kaum mehr in der Öffentlichkeit stand. Dass er sich auch politisch nicht mehr engagierte, dürfte wohl mit der Entwicklung in der späten Weimarer Republik und der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Zusammenhang stehen. Auch über sein Privatleben gibt es wenig Bekanntes. 1917 heiratete er als 48jähriger die 14 Jahre jüngere Witwe Elisabeth von Neukirchen. Über mögliche Kinder und damit Nachkommen ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts bekannt . Die häufig gebrauchte Bezeichnung „Roter Graf“ für Graf von Arco hat nichts mit seiner politischen Einstellung zu tun, sondern geht lediglich auf seine große Vorliebe für rotlackierte Autos zurück.

 

Am 5.Mai 1940 verstarb Dr. Georg Graf von Arco nach längerer Krankheit in Berlin und wurde auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf beigesetzt.